HNRX – Was München für ihn reizvoll macht und warum er von Unterhosen träumt.

Seit etwa einem halben Jahr ist der Künstler HNRX, nun in München unterwegs und macht Bayerns Hauptstadt mit seinen fröhlichen Kunstwerken ein bisschen bunter. Vor ein paar Tagen hatte ich das Vergnügen, ihm bei einem Spaziergang über die Kultfabrik, ein paar Fragen zu stellen.

HNR_Exhibition_ILENA: Du machst ja jetzt schon einige Jahre Street Art und bist mittlerweile auch schon ziemlich bekannt, aber wie hat das denn alles angefangen, was hat dich überhaupt zum Sprayen gebracht?
HNRX: Das ist schwierig zu sagen, ich weiß nicht welche Einflüsse das waren. Ich weiß auch nicht, was mich daran so fasziniert hat. Ich habe damit angefangen, bevor es im Internet, für mich zugänglich, Infos gab. Davor habe ich nie irgendwelche Bilder gesehen, die mir gefallen haben und wegen denen ich angefangen hätte. Erst Jahre später fing ich an, ein bisschen zu recherchieren, was es da noch so gibt. Mich hat eher begeistert, dass man mit einer Sprühdose malt.

Was genau begeistert dich denn an der Sprühdose?
Für mich ist das ein extrem praktisches Material. Das ist ein halber, Liter verpackt und jederzeit abrufbar. Da braucht man nicht schauen, dass es nicht eintrocknet, das ist genial. Auch vom Transport her. Einpacken, fertig, los geht’s. Mit Streichfarben muss man immer aufpassen, dass sie nicht austrocknen und das Mischen und so. Wenn man viel unterwegs ist, ist so eine Sprühdose schon extrem praktisch.

War es eigentlich von Anfang an dein Plan, mit deiner Kunst Geld zu verdienen?
Während der Schule dachte ich mir schon immer, wie froh ich bin, wenn das vorbei ist. Gleich nach der Schule habe ich dann damit angefangen und nebenbei nichts anderes mehr gemacht. Ich will halt nix anderes machen, ob ich dann damit Geld verdiene oder nicht, ist so ein Nebeneffekt. Ich mein ohne Geld geht’s nicht, das ist schon klar, aber ich mach‘s in erster Linie nicht, um damit was zu verdienen.

Wenn wir jetzt hier so übers Gelände laufen, sehe ich wirklich viele Werke von dir. Wo warst du denn schon überall unterwegs mit deiner Kunst?HNRX_Kultfabrik_I
Ich komm ja eigentlich aus Innsbruck, das ist quasi mein Hood, da findet man viele Sachen von mir. Aber ich war auch schon fast in ganz Europa. Eigentlich bin ich immer unterwegs und kaum Zuhause.

So zu leben hört sich schon ziemlich spannend an.
Klingt schon geil, aber manchmal ist es wirklich extrem anstrengend. Man ist ja nicht nur am trödeln und herumhängen, sondern will auch wirklich was schaffen. Aber wenn man dann mal Zeit hat sich hinzusetzten, zu reflektieren und Pause zu machen, dann ist es schon cool.

Aber manchmal ist der Prozess an sich schon ziemlich anstrengend oder?
So wie jetzt heute, nach einem halben Jahr in München, bin ich schon mal froh, wenn das abgeschlossen ist. Das war schon eine harte Zeit, es ist echt schwer in München Wände zu organisieren.

Auf dich aufmerksam geworden, bin ich durch die vielen kleinen ‚lila Wurscht‘ Sticker, die sich in den letzten paar Monaten in München wirklich explosionsartig ausgebreitet haben. Auf der Stroke hab ich dann zufällig einen Flyer für deine HNRX Exhibition in der Färberei ausliegen sehen und hatte da so einen kleinen Aha- Moment: DA kommt die Wurscht also her! Gibt es einen Grund, warum du in letzter Zeit so viel in München unterwegs bist?
HNRX_Kultfabrik_III
Ich mach momentan viel in München, weil‘s für mich recht interessant ist. Es gibt viele Street Art Künstler, auch viele gute, aber meiner Meinung nach gibt es im Vergleich zu anderen Großstädten weniger Aktivitäten. Man sieht es auch gerade an den Stickern. Wenn man nach Berlin fährt, braucht man keinen Sticker irgendwohin kleben, da ist man dann einer von siebentausend auf einer Laterne. In München ist es ähnlich wie in Innsbruck, wenn man da mal ein paar Sticker ‚verliert‘ dann fällt das schon auf. Wobei die Sticker ja nicht von mir verklebt werden. Die liegen aus und werden dann von irgendwelchen Leuten verklebt.

Was glaubst du, woran liegt das in München?
München ist eine Großstadt mit Kleinstadtcharakter finde ich. Wenn hier in der Szene irgendwas vorfällt, dann weiß das auf einmal jeder. Das geht hier ziemlich schnell. Was ich lustig finde, weil es ja doch 1,5 Millionen Einwohner gibt.

Wo hat es dir denn am besten gefallen? Gibt es einen Ort für dich, wenn du da zum Sprayen hin gehst, dass es da dann trotz Arbeit ein bisschen wie Urlaub für dich ist?
Zum Malen sind für mich eigentlich nur die Plätze Urlaub, wo man ein bisschen abgeschottet von der Gesellschaft ist . Hier in der Kultfabrik zum Beispiel ist so ein Grenzbereich. Es ist zwar schon was los, aber man hat auch viel Platz für sich. An der Fraunhofer Unterführung dagegen ist es die Hölle, das hat wenig mit Urlaub zu tun. Da muss man schon die Stöpsel reinhaun um abschalten zu können. Aber es gibt auch Plätze wie zum Beispiel unter der Autobahn oder Abrisshäuser, wo einfach keine Sau ist. Du gehst da hin, machst das und keiner sieht‘s. Das ist dann Urlaub.

Gibt es einen Ort, wo du gerne mal zum Sprayen hin möchtest?
Ja, den gibt’s! In Belgien, Antwerpen, dort an der Küste gibt es eine Stadt, die heißt Doel. Das ist eine Geisterstadt, in der lebt nur noch ein einziger Einwohner. Da kann man mehr oder weniger noch alles anmalen. So eine Geisterstadt hat für mich Faszination.

Als Street Art Künstler sucht man sich ja auch immer mal wieder einen etwas unzugänglicheren Ort für seine Kunst. Was war denn das körperlich anstrengendste, das du für eines deiner Werke mal gemacht hast?
Naja, es gibt schon manchmal so Leiter-Aktionen, wo man nur mit einer Leiter ziemlich hoch unterwegs ist. Das ist dann schon mal tricky. Da ist man auf so einer schmalen Leiter und steht oben beim Malen, wo man sich mal nach rechts oder links drüber raus lehnt. Das unterschätzt man schnell mal. Körperlich ist das sehr anstrengend. Da ist man abends schon fertig.

Wie ist es denn für dich, wenn du jetzt hier (Kultfabrik) stehst und siehst, dass das jetzt bald platt gemacht wird und die Kunst darauf, für die man so viel Zeit und Aufwand geopfert hat, verschwindet?
Naja, ich bin da recht wenig emotional gebunden. Ich glaub wenn du Künstler im öffentlichen Raum bist, rechnest du damit, dass es irgendwann weggemacht wird. Es ist ja irgendwie Ziel, dass es irgendwann verschwindet.

Du machst das also schon, mit dem Gedanken daran, dass es nur temporär ist?
Ja ich glaube es ist mitunter auch wichtig und entscheidend, dass der Wandel da ist. Nach ein, zwei Jahren verlieren die Werke irgendwie den Flair, weil es dann eh keiner mehr bewusst sieht. Aber man braucht ja auch Platz für Neues. Wenn immer alles stehen bleibt, wie in einem Museum, dann passiert ja nix. Manche Bilder bleiben, weil sie geschichtlich wirklich einen Wert haben, aber viele werden einfach ausgetauscht und übermalt.

Viele deiner Bilder sind ja keine Auftragsarbeiten und du musst die Materialien dafür selbst finanzieren, was kostet dich denn ein Werk auf einer großen Wand?
Also in München sind eigentlich alle Bilder, die ich bis jetzt gemalt hab, Eigeninitiative. Das ist dann alles ‚Selbstsponsoring‘. Eine Wand, also zum Beispiel die mit dem Fisch, das braucht so ca. 15 Dosen, was ungefähr 50 € entspricht, wenn die Wand nicht vorgrundiert werden muss. Aber für mich ist das ein Kostenfaktor, über den ich nicht nachdenke.HNRX_Kultfabrik_IV

Das gibst du also gerne aus.
Ich mach dann sonst dafür nicht viel. Ich geh nicht viel in Clubs und versauf mein Geld nicht, sondern hab einfach da mein Kostenlaster.

Zigaretten dann vermutlich auch nicht?
Na, ich glaub meine Lunge hat schon genug Belastung am Tag!

Ist der Sprühnebel der Farben so gesundheitsschädlich?
Ja, auch wenn ich eine Atemschutzmaske trage. Man sollte schon ein bisschen auf die Gesundheit schauen. Die Haut atmet ja auch extrem viel mit. Da wird der Körper schon sehr belastet. Was man zum Beispiel total unterschätzt, sind Farbpigmente in den Augen. Beim Malen hat man ja den ganzen Sprühnebel, also die Pigmente, die durch die Luft fliegen. Wenn man das jeden Tag macht und kopfüber so große Fadings macht, da geht viel daneben. Für so Sachen hab ich jetzt mittlerweile auch eine Schutzbrille

Macht dir das Angst?
Phu ja, keine Ahnung ob es mir Angst macht. Man soll sich nie Angst machen finde ich, sondern einfach drüber nachdenken und schauen, wie man das verhindern oder gut lösen kann. Es gibt ja mehrere Faktoren, wo man vorsichtig sein muss. Ich mach auch viel mit Streichfarbe, nicht nur mit Sprühdosen. Ist ja genauso ein Umweltfaktor.

Hast du eigentlich einen Lieblingskünstler?
Künstler wie zum Beispiel Salvador Dali, solche Künstler geben mir schon Impulse. Im Endeffekt kommt das immer wieder aus unterschiedlichen Richtungen. Es gibt auch ein paar Künstler im Street Art Bereich, die ich sehr interessant finde, oder die auch Vorbildfunktion lange Zeit gehabt haben oder haben.

HNRX_BuchGibt es denn bei deinen eigenen Bildern eins, von dem du sagst, das findest du gut, das ist dir jetzt besonders gelungen?
Ich glaube die meisten Sachen die zuletzt entstanden sind, auch vor allem jetzt in München. Es ist ja meistens so, dass einem die aktuelleren Sachen mehr zusprechen, weil die älteren meistens überholt sind. Man merkt einfach, wie man sich weiter entwickelt und auch vom Flow her. Auch wenn‘s das gleiche Motiv ist, aber einfach die Umsetzung ganz anders ist. Ich glaub die Motivwahl ist bei mir recht eigen, aber die Technik ist nicht unbedingt was Neues.

Wobei ja neue Motive mit alter Technik auch in gewisser Weise etwas Neues sind.
Ja das schon, klar. Aber gerade in dem Bereich Technik will ich mich noch mehr fokussieren. Ich hab jetzt in meinem neusten Video mit einem Gerät gearbeitet, in dem man links und rechts zwei Dosen befestigen kann. Ich experimentiere gerne. Ich glaube auch, dass es für den eigenen Stil wichtig ist, das man einfach macht. Und dass man Fehler zu den Stärken zählt. Grad ‚Fehler‘ in der Kunst sind, glaube ich, das, was einen Künstler eigentlich ausmacht. Ich denke es ist auch wichtig, in welchem Kontext das alles entsteht. Also nicht nur was ich mache, sondern auch wo und wie ich es mache.

Deine Arbeiten sind nicht politisch inspiriert oder?
Nein, nein, die sind nicht politisch.

Gibt es bei dir Bilder, wo du, nicht mal unbedingt direkt beim Entstehungsprozess, sondern vielleicht auch erst wenn das fertige Werk auf der Wand ist, eine Message mit rüberbringen möchtest?
Nein, das hatte ich noch nie. Ich glaube auch kaum, dass das passiert, weil meine Bilder immer aus dem Bauch heraus entstehen. Aber es gibt extrem viele Bilder, die unterbewusst schon eine Message haben. Seit ich das ganze was ich mache reflektiere, bin ich schon darauf gekommen, dass ich mich viel mit Essen beschäftige. Nicht nur in meiner Kunst. Ich bin ja nicht nur Veganer, ich esse auch sonst nur sehr speziell. Ich glaube, das verarbeite ich einfach damit im Unterbewusstsein, aber ich gehe nie auf ein Bild bewusst zu. Oder auch die Sache mit den Zähnen. Ich hab echt Probleme mit meinen Zähnen und das kommt dann auch irgendwie in meiner Arbeit vor, gerade mit den Gebissen und den Zahnbürsten. Aber das passiert eigentlich alles unterbewusst.

Gibt es ein Ziel für dich und deine Kunst, das du gerne erreichen würdest?
Ich glaub, ich und meine Kunst sind nicht zu trennen. Mein Ziel ist es einfach, weiterhin Wände zu malen. Ich bin motiviert große Wände zu malen, es kann eigentlich nicht groß genug sein. Aber ich glaube auch das Kleinformatige darf man nicht vergessen. Das macht es irgendwie erreichbarer, damit die Leute das besser greifen können. Aber ja, ich möchte auf jeden Fall weitermachen und einfach davon leben können. Damit ich das immer machen kann. Das ist so mein Ziel.

Gibt es zum Schluss eine Frage, die du gerne mal gestellt bekommen würdest?
Das ist jetzt schwierig… Aber doch, es gibt schon eine Frage. Und zwar: „Wenn ich mit einer Firma zusammen ein Produkt auf den Markt bringen könnte, was wäre das?“ Das wäre eine Frage, die würde ich gerne mal beantworten.

Die passt ja jetzt, gerade mit dem Blick in die Zukunft, ganz gut. Welche Firma wäre das denn, mit der du dir eine Kooperation vorstellen könntest und welches Produkt würdest du dann entwerfen?
Ich glaub das wären Unterhosen. Ich bin so ein bisschen ein Cleptomanicx® Fetischist. Das wäre schon so ein kleiner Traum, mit denen mal ne Unterhose mit Würschteln raus zu bringen. Unterhosen wärn der Shit, ich schwör!

Jeder, der jetzt neugierig geworden ist und keine Angst vor Wind und Wetter hat, kann sich mal auf das Gelände der Kultfabrik am Ostbahnhof wagen und auf Bildersuche gehen, solange sie noch da sind.

HNRX_Kultfabrik_II

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