Messebericht – The Munich Show – Die Mineralientage 2016

Unser Gastautor Marian Eck war für uns auf den Mineralientagen 2016. Wie er die Messe fand, schildert er nun in seinem Nachbericht, viel Spaß beim Lesen :)

m-show_017
©Marian Eck

Als Besucher kenne ich die Messe bereits seit mehr als 25 Jahren. Schon im Teenageralter habe ich hier fleißig in kleine Steine und Fossilien im Taschengeld-format investiert. Die Mineralientage finden stets zur selben Zeit statt: Am letzten Oktoberwochenende, oder am ersten Novemberwochenende. Ein wichtiger Termin für mich gegen Jahresende.
Hier treffen sich Händler von Mineralien, Edelsteinen und Fossilien aus aller Welt. Stets begleitet von individuell äußerst aufwendig gestalteten Sonderausstellungen, haben die Besucher hier die Möglichkeit, ein Shoppingerlebnis der ganz besonderen Art zu genießen. Kurz bevor die anstehende Vorweihnachtszeit den Geldbeutel wieder leert. Alles, das man sich nicht leisten kann, das kann man zumindest ausreichend bewundern, oder auf Foto bannen.

Als ich um 13:00 Uhr am Samstag auf der Messe ankomme, sind zwar drei von vier Annahmeschaltern an der Garderobe bereits wegen Überfüllung geschlossen, aber dennoch verteilen sich die zahlreichen Besucher angenehm auf die 4 weitläufigen Hallen. Es ist ja auch der letzte von drei Messetagen. Allerdings wird es zweieinhalb Stunden später, als ich mich auf den Heimweg mache, gefühlt schon etwas enger in den Fluren zwischen den einzelnen Ständen.

Das fand ich gut:

m-show_002
©Marian Eck

Was sehr positiv auffällt und das bereits am Anfang, dass die Messe sehr viele interessante Möglichkeiten für Kinder und Familien bereithält, damit auch interessierte Eltern über die Messe shoppen können, ohne dass sich die Kleinen langweilen müssen. Es gibt verschiedene Dinosauriermodelle in Lebensgröße, inklusive einer Abteilung Babydinosaurier, Stände mit Gewinnspielen, Stände an welchen selbst nach Gold, Edelsteinen und Fossilien geschürft werden kann, Stände an denen man Gebrauchswerkzeuge aus der Steinzeit nachbauen kann. Natürlich gibt es noch die Verlockungen und Angebote an den Verkaufsständen, auch für den kleinen Geldbeutel, um etwas Außergewöhnliches und nicht Alltägliches mit nach Hause zu nehmen. Besonders spannend wird es dort, wo man nach Gewicht Graue Steineier („Drusen“) kaufen kann. Nach dem Bezahlen kann man sich diese vom Fachmann mit einer Eisenzwinge aufschneiden lassen und erhält je nach Glück zwei Hälften mit mehr oder weniger schillerndem, manchmal buntem, kristallenem Innenleben zurück.

Auch die Versorgungsmöglichkeiten der Besucher mit Brotzeit und Lebensmitteln haben sich die letzten Jahre immer weiter verbessert. Es gibt mittlerweile ein sehr großes Angebot an Sitzmöglichkeiten und verschiedenen Essensständen. Besonders erwähnenswert ist hierbei ein Stand aus Südtirol, wo man Würste in etwa 20 verschiedenen und ausgefallenen Geschmacksrichtungen bekommt (z.B. Wildschwein, Gams, Hirsch). Ebenso abgepackten Schinken, Käse, Kastanienhonig und andere Spezialitäten. Probieren inbegriffen ;-).

Was erwartet nun den einzelnen Besucher auf der Messe?

Während in den Anfangsjahren der Messe die Bezeichnung Mineralientage durchaus auch für das Angebot zutreffend war, ist dieses heutzutage weitaus größer und vielfältiger aufgestellt. Natürlich machen die Edelsteine und Mineralien noch den Großteil des Angebots aus. Es gibt unbearbeitete Rohsteine bis hin zu geschliffenen Schmucksteinen. Die schönsten Lapislazuli direkt aus Afghanistan, oder Opale aus Äthiopien und Australien. Daneben existiert mittlerweile ein reichhaltiges Angebot an Fossilien, Versteinerungen, eiszeitlichen Überbleibseln, Schnecken, Muscheln, Steckkästen bunter Käfer und Schmetterlinge, Exotischer Ritualgegenstände m-show_007von Naturvölkern (z.B. Papua-Neuguinea), qualitativ hochwertiger regionaler Lebensmittel, Ziergegenstände aus Mineralien und vieles mehr. Seit einigen Jahren gehört auch die Wellnessbranche zum festen Bestandteil in Halle 3. Neben Heilkristallen und Räucherholz kann man sich hier eine Erholungsmassage gönnen. In der diesjährigen Sonderausstellung gab es diesmal unter anderem einen Federbalg des vor bereits 150 Jahren ausgestorbenen Riesenalk zu sehen, eine Seltenheit, der aussah wie ein großer Pinguin. Diese Vögel waren wie der berühmte Dodo eher neugierig als scheu, flugunfähig und wurden teilweise aus Spaß zu Tausenden erschlagen.

Für welche Geldbeutelgröße ist die Messe?

Das kleinstmögliche Investment fängt an bei ca. 50 Cent für Fossilienbruchstücke, Haifischzähne oder kleine Halbedelsteine. Für 10-20 Euro bekommt man schon ganz ansehnliche kleine Rubine, Aquamarine, einen Beutel mit echtem Mammuthaar, oder versteinerte Ammoniten. Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. Ein vollständiger, großer Mammutstoßzahn ist ab 10.000 Euro zu haben. Oder gleich ein versteinertes Dinosauriergelege? Ein großer, geschliffener Opal kann schon mal 8000-15.000 Euro kosten. Aber im Bereich von 10-100 Euro findet auch der normale Durchschnittsverdiener eine unglaubliche Vielfalt an individueller Pracht und Investitionsmöglichkeiten.

Einen Vorteil haben die Besucher auf alle Fälle auf Ihrer Seite: Die Einkaufs-preise sind über die letzten Jahre stark gesunken. Besonders zu erkennen ist das für mich, als Biologe, an Sammlerexemplaren aus der Sparte Muscheln, Schnecken und Meerestiere, deren Preise noch vor ein paar Jahren stolz verteidigt wurden. Heute liegen sie teilweise für ein Viertel des ursprünglichen Preises in der Auslage. Auch andere Exemplare und Steine wurden mir sehr günstig angeboten. Opale gab es schon in den letzten Jahren immer wieder zum Sonderpreis. Die Branche hat mit der zunehmenden Finanzkrise möglicherweise auch Absatzschwierigkeiten.

Das fand ich eher nicht so gut:

Im Gespräch mit vielen Händlern fiel mir leider sehr negativ auf, dass man sich hier eher misstrauisch gegenseitig beäugt, anstatt Kontakte zu knüpfen. In Halle 1 wurde ich fast überall gebeten, keine Fotos zu machen. Begründet wurde mir das mit Missbrauchsmöglichkeiten, ethischer Grundhaltung (wie auch immer das zu interpretieren ist) und möglicher Fremdwerbung. Das fand ich sehr schade und hat mir persönlich die Stimmung etwas verdorben. Vor einigen Jahren war das noch ganz anders. Wer glaubt er würde die Möglichkeiten seines Geschäftes verbessern, indem er sich abschottet und auf seinem Maulwurfshügel voller Kostbarkeiten sitzen bleibt, der sollte meiner Meinung nach doch wohl besser zu Hause bleiben, wenn sich der Rest der Branchenwelt an einem gemeinsamen Ort trifft, um sich zu feiern und Neuigkeiten auszutauschen. Das Prinzip der Abschottung hat noch nie funktioniert.  Wer das Fotografieren am eigenen Stand verbietet, hat auf einer offenen Messeveranstaltung nichts verloren. Das erinnert eher an einen Schwarzmarkt antiker Kunst in Ägypten. Auch bei den anderen Kunden, welche bei meinen Gesprächen zugegen waren, kamen besagte Händlerargumente überhaupt nicht gut an. Einige Kunden verfielen sogleich in eine lebhafte Diskussion mit dem jeweiligen Händler. Ich hoffe, besagte Händler überdenken noch einmal ihre Haltung.

Dennoch bietet auch besonders der letzte Messetag die Möglichkeit für Schnäppchen und Sonderangebote. So gehe auch ich mit zwei wunderschönen Schneckenhäusern, halb Perlmutt, halb Natur nach Hause. Erstanden zum Sonderpreis und wahrscheinlich die schönsten Exemplare meiner derzeitigen Sammlung. Kostenpreis: Zusammen 25 Euro.


Zum Autor Marian Eck:

In München geboren, strebte Marian schon früh das Leben eines Naturforschers und Wildhüters an, welches im Abschluss seines Biologiestudiums gipfelte.
Als klassischer Biologe und Systematiker nach Darwins Vorbild fand er allerdings in München, durch einen familiären Pflegefall an die Stadt gebunden, keinen artgerechten Arbeitsplatz. Nach erfolgloser Bewerbung um die Bundespräsidentschaft und das Bundeskanzleramt, von der Öffentlichkeit eigentlich nicht wirklich wahrgenommen, sah er schließlich seine letzte Chance in einem Quereinstieg in einem Münchner Handelshaus. Hier versuche er seinem natürlichen Drang, der Arbeit aus dem Weg zu gehen, zu perfektionieren und blicke freudig der Rente mit 71 oder einem vorzeitigen Lottogewinn entgegen. Ein Dreier in Kasten 4. Das Interesse für die Natur und die Abläufe des Lebens aber blieben ihm erhalten.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s